Baubeginn für die Neuerrichtung des Gedenkwaldgarten in Au b. Bad Feilnbach

Das  Foto zeigt den Spatenstich vom 17.09.2019
Von links nach rechts: Martin Hofer, Bauunternehmer; Stephan Rüttenauer, Projektleiter Fa. Gedenkwald; Anton Wallner
Bürgermeister Gemeinde Bad Feilnbach; Michael Hartl, Geschäftsführer Fa. Gedenkwald und Manfred
Holler, Landschaftsarchitekt des Friedhofs-Kompetenz-Zentrums
Foto: Gedenkwald GmbH
 

Beim o. g. Friedhof handelt es sich um eine Friedhofsanlage für alternative Bestattungsformen. Das Angebot an Bestattungen richtet sich an Personen, welche von der herkömmlichen Grabpflege absehen wollen bzw. mit den tradierten Friedhofsanlagen keine Übereinstimmung finden.

Die Gemeinde Bad Feilnbach hat im Frühjahr dieses Jahres neue Wege beschritten und eine Ausschreibung über die Konzeption, Planung, Errichtung, Verwaltung, Pflege und Finanzierung einer überregionalen Friedhofsanlage zur Durchführung von alternativen Bestattungsformen ausgeschrieben.

Einer Umfrage nach wünschen 79% [Quelle: Bestattungskultur 2018] der Menschen einen Ort zum Trauern. Gleichzeitig stellen viele die Institution Friedhof in Frage. Warum sich die Bestattungskultur ändert und der klassische Friedhof von vielen als nicht mehr zeitgemäß angesehen wird, hängt zunächst mit der Veränderung der Bestattungsart zusammen. Wurden früher vorwiegend Erdbestattungen vorgenommen, machen Feuerbestattungen mittlerweile ca. 70% aller Bestattungen aus. Doch auch andere Faktoren beeinflussen den aktuellen Wandel der Bestattungskultur:


Grabpflege
Das Thema Grabpflege ist einer der Hauptgründe, warum sich viele Bürger über alternative Bestattungsformen Gedanken machen. In den Trauer- oder Vorsorgegesprächen mit unseren Kunden hören wir sehr oft, dass die aktuellen Familienstrukturen eine Grabpflege erschweren. Die Kinder zieht es min die Ferne, den Älteren vor Ort wird die Pflege der Erinnerungsstätte mit der Zeit zu anstrengend und aufwändig. Natürlich kann man die Pflege der Anlage in Auftrag geben, doch die Kosten sind oft nicht nachvollziehbar und viele Bürger können sich diese Lösung finanziell nicht leisten.


Religion
Mit dem gesellschaftlichen Wandel geht auch der Wandel von religiösen Ansichten einher. Immer mehr Trauerfeiern finden in einem weltlichen Rahmen, meist in Begleitung eines Trauerredners, statt. Bei diesem Vorgehen werden oft alteingesessene Traditionen und Riten verändert oder auch weg gelassen. Der Grund hierfür: Die Angehörigen suchen einen individuell auf den Verstorbenen zugeschnittenen Rahmen. Der Bestattungsort und -platz sollen das Leben des Verstorbenen in bester Weise widerspiegeln.

Anonymität

Seit der Jahrtausendwende beobachten wir, dass sich viele Bürger auch mit dem Thema der anonymen Bestattung befassen und auseinander setzen. In vielen Kommunen versteht man unter einer „anonymen Bestattung“, dass die Beisetzung der Urne meist ohne Angehörige in einem ausgewiesenen Gebiet, oftmals einer naturbelassenen Wiese, stattfindet. Von einer Kennzeichnung mit den Daten des Verstorbenen wird in diesem Fall abgesehen. Unserer Erfahrung nach ist diese Vorgehensweise für viele Menschen problematisch. Die Bestattung an sich ist ein wichtiges Element zur Verarbeitung der Trauer. Können oder dürfen die Angehörigen bei diesem Ritual nicht zugegen sein, fehlt ihnen ein wichtiger Teil der Trauerarbeit. Die Angehörigen wollen den genauen Grabplatz erfragen, um dort gedenken zu können. Ebenfalls kommt bei dem ein oder anderen die Frage auf, ob die Urne auch wirklich ordnungsgemäß bestattet wurde.

Kosten

Wenn es um eine Bestattung geht, werden Angehörige nicht nur mit Grab- und Pflegekosten konfrontiert. Auch die Kosten des Bestatters für Sarg und Bestattungszubehör, sowie für die Aufbahrung und Verabschiedung vom Verstorbenen müssen eingerechnet werden. Hinzu kommen die weiteren Nebenkosten für Zeitungsanzeige, Trauerdruck, Blumenschmuck, amtliche Urkunden und Bescheinigungen, Pfarramtsgebühren, Trauerredner, Musik, Steinmetzkosten und evtl. Kosten für die Abhaltung eines Leichenmahls. Dies kann für den ein oder anderen zu großen Engpässen und Problemen führen.


Hygiene


Auch das Thema Hygiene sollte nach heutigem Kenntnisstand in Bezug auf die Erdbestattung offen diskutiert werden. Viele Friedhöfe weisen leider nicht die Voraussetzungen auf, die für den Betrieb eines Friedhofs notwendig sind. Viele Gemeinden haben mit hohen Grundwasserständen oder einer problematischen Bodenbeschaffenheit zu kämpfen. Auch die medizinische Versorgung mit pharmazeutischen Produkten muss hinterfragt werden, schließlich verbleiben auch hier Rückstände im Erdreich.

Im Trauerfall hat jeder Mensch das Bedürfnis nach einem Ort, den er aufsuchen kann, um Abschied zu nehmen oder sich an einen geliebten Menschen zu erinnern. Allerdings wünschen sich viele Trauernde, losgelöst zu sein von den Pflichten und Bräuchen, aber auch Kosten, die mit einer traditionellen Grabstelle verbunden sind. Die Praxis zeigt: Die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen haben sich geändert, der Friedhof wird den Ansprüchen der Bevölkerung immer weniger gerecht. Ein Strukturwandel unserer Friedhöfe ist dringend nötig. Genau hier setzen wir an!
 

26.10.2019 14:00

Gedenkfeier im Gedenkwaldgarten in Au b. Bad Feilnbach

Die Gedenkfeier richtet sich an alle Verstorbenen Personen im Jahr 2019, die im Gedenkwalgarten Au b. Bad Feilnbach bestattet wurden. Geleitet und gestaltet wird die Gedenkfeier von Trauerbegleiterin Frau Kerstin Seifert.

Tel. 08031 - 88 74 2 07